Orchesterleben

Willkommen beim Orchester Emmen! Du willst wissen wie der Orchesteralltag aussieht, was unsere Mitglieder beschäftigt oder an welchen Projekten wir gerade arbeiten? Lies weiter und erfahre Wie wir unser orchester leben. 

 

Nachgefragt!

Bei: Orchestermitglied Manuela Köpfli

Auch unsere Orchestermitglieder sollen hier zu Wort kommen und nicht nur von sich und ihrem Leben erzählen, sondern auch von ihrer Sicht auf das Orchester Emmen und in das Orchesterleben. Aus diesem Grund hat die Autorin unserer Fagott-Spielerin Manuela ein paar Fragen gestellt:

 

Liebe Manuela, du spielst im Orchester Emmen den wichtigen Part des Fagotts. Was hat dich zu dieser Instrumentenwahl bewogen?

Ich habe vor meiner Instrumentenwahl den Musikparcours der Musikschule Emmen besucht und war schon vor dem Parcours eigentlich überzeugt, dass ich Klarinette spielen möchte. Doch beim Ausprobieren hatte ich bei der Klarinette wenig Erfolg und die tiefe Lage des Fagotts hat mich dagegen begeistert. Ich habe dann eine CD mit Duos für Fagott und Cello gefunden. Diese Stücke mit meiner Schwester zusammen zu spielen – sie spielt Cello – war dann der Anreiz und so habe ich mich für das Fagott entschieden.

Könntest du für solch unwissende Streicher wie mich zusammenfassen, wie ein Fagott funktioniert?

Das Fagott ist ein ca. 1.5 m hohes Holzblasinstrument, die Rohrlänge ist aber mehr als 2.5 m lang. Der Ton wird durch den Luftstrom durch zwei Bambusblättchen erzeugt, die dann zu vibrieren beginnen. Daher gehört das Fagott zu den Doppelrohrblattinstrumenten.

Mit deinem Instrument sorgst du dafür, dass die Streicher nicht aus dem Rhythmus fallen. Gibt es eigentlich auch melodische und schöne Solostücke für Fagott, die dir gefallen und das Orchester Emmen mal in Erwägung ziehen sollte?

Das wohl berühmteste Solostück für Fagott ist das Fagottkonzert von Mozart (KV 191). Aber auch Vivaldi, Danzi, Stamitz und viele weitere Komponisten haben Fagottkonzerte geschrieben. Vor einigen Jahren spielte das Orchester auch „Der alte Brummbär“ von Julius Fucik.

Hast du ein musikalisches Vorbild?

Bei meinen ersten Versuchen im Fagott „zusammenbauen“, im Spiel über alle Oktaven bis hin zum Rohrbau hat mich meine Fagottlehrerin Simone Bissegger begleitet und mit viel Geduld geführt. Sie ist für mich mein grösstes Vorbild, weil sie die Musik leben kann und ich finde, dass man das hört.

Im Orchester gehörst du zu den jüngsten Mitspielenden. Hast du eine Idee, warum sich nicht mehr Junge für das Spielen in einem Orchester interessieren?

Ich merke selber, dass viele meiner Studienkollegen am Studienort in anderen Kantonen wohnen. Für solche Leute ist es oft schwierig, regelmässig Proben zu besuchen. Je nach Stimme verlangt das Mitwirken in einem Orchester auch regelmässiges Üben zu Hause. Viele Junge wollen diesen Zeitaufwand nicht betreiben. Meiner Meinung nach lohnt sich dieser aber auf jeden Fall!

Neben dem Vereinsleben bist du Studentin an der ETH Zürich. Wie schaffst du es neben diesem intensiven Studium noch Zeit für die Musik zu finden?

Einerseits fände ich es extrem schade, wenn ich das Fagottspielen verlernen würde. Durch die Mitgliedschaft im Orchester Emmen hat das Üben auch einen Sinn und ich kann gemeinsam mit anderen Laienmusikern auf ein Ziel – das Konzert – hinarbeiten. Zudem ist die Musik ein guter Ausgleich zum eher theoretischen Studium. Auch wenn die Motivation nicht vor jeder Probe gleich gross ist und man auch einfach mal zu Hause chillen möchte, gute Proben empfinde ich als erfüllende und sinnvolle Pausen.

Warum hast du dich entschieden, beim Orchester Emmen mitzuspielen?

Meine Mutter spielt schon lange im Orchester Emmen mit und so war ich einmal an einer Probe. Ich habe mich dann entschieden probeweise an einem Konzert mitzuspielen. Es scheint mir gefallen zu haben! Jetzt freue ich mich, dass wir in der Zwischenzeit eine Oboe und eine Klarinette bei den Bläsern dazu begrüssen durften.

Magst du dich an dein Konzertdebüt mit dem Orchester Emmen zu erinnern? Was hat dir daran gefallen?

Wenn am Konzert alles wie geplant läuft, jede Person mit seinem Instrument und seiner Stimme seinen Platz im grossen Ganzen des Orchesters gefunden hat, dann hat sich die Proberei gelohnt und wir können dem Publikum ein tolles Resultat präsentieren. Das empfinde ich als extrem befriedigend. Dass ich nach meinem ersten Konzert vor dem grossen Publikum eine Rose bekommen habe, hat mich auch sehr stolz gemacht.

Unser nächstes Konzert ist das Neujahrskonzert zum Thema „Pasión Latina“. Wie gefällt dir das Programm? Freust du dich auf das Konzert?

Im Programm des Neujahrskonzert gibt es einige Stücke, die richtig „fäged“, es gibt knifflige Läufe zum Üben und auch Abschnitte, in denen man den Puls nicht verlieren darf und immer stur zählen muss. Wurde genug geübt und ist Letzteres mit Erfolg geschehen, gibt das ein tolles Konzert!

 

15.10.2018 – Fernweh und Bewegungsdrang

Heute fand unsere erste Probe nach den Herbstferien statt. Und obwohl wir alle braungebrannt und gut erholt direkt aus unseren Ferien kommen, lässt unsere erste Probe bereits wieder Feriengefühle entstehen. Strand – Sonne – Meer und TANGO! Beim Spielen vermischte sich unser Fernweh mit dem unbändigen Drang aufzustehen und loszutanzen, am liebsten spielend mit der Geige in den Händen oder rund um unser Cello tanzend. Wir möchten noch nicht zu viel verraten aber das Orchester Emmen hat eine Reise gebucht und zwar am 19.1.2019! Und das Beste daran? – jeder Leser kann mitkommen! Die Flugtickets können Ende Dezember auf unserer Website gebucht werden.  Wir freuen uns alle auf die folgenden Proben und auf noch mehr Fernweh, Bewegungsdrang und Musik!

 

19.2.2018 – Vollgas voraus in den Frühling

Zugegeben der eisige Wind, der uns diese Woche arktisches Wetter bringt, lässt noch keine Frühlingsgefühle erwachen. Doch heute fand unsere erste Probe für das Karfreitagskonzert am 30. März 2018 statt und lenkte damit unsere Gedanken in Richtung Frühlingsbeginn. Schon in sechs Wochen werden wir das wunderbare Karfreitagskonzert aufführen, weshalb wir uns heute voller Elan in unsere Noten stürzten.  Unser Programm besteht aus folgenden Werken:

Arvo Pärt (* 1935) Summa für Streichorchester
Arvo Pärt (* 1935) Da Pacem Domine für Chor a Capella
Luigi Cherubini (1760-1842) Requiem Nr. 1 in c-Moll für gemischten Chor und Orchester

An der ersten Probe nahmen wir uns einige Teilstücke aus dem Requiem von Cherubini vor. Obschon noch nicht alle Töne sassen und der Rythmus noch nicht überall perfekt war, lässt das Werk ein wunderschönes und besinnliches Konzert erahnen. Nach getaner Arbeit liessen wir die erste Probe bei guten Gesprächen bei einem kleinen Umtrunk ausklingen. Ein gelungener Start in die neue Probesaison!

 

27.1.2018 – Das Neujahrskonzert – America!

Endlich war es soweit und wir konnten loslegen! Solange hatten wir geprobt und so viele Stunden hatten wir investiert. Mit einem fulminanten Auftakt starteten wir unser Konzert mit „Time Square“ von Leonard Bernstein aus dem Musical „On the Town.“ Der Saal war voll und die Zuhörer und Zuhörerinnen schienen begeistert. Als schliesslich unsere beiden Sängerinnen und unser Sänger zum Zug kamen und bei den Old American Songs, sowie bei den Musicals wie West Side Story und Kiss me Kate brillierten, freuten wir uns umso mehr. Neben ruhigen Liebesliedern und Spaziergängen durch die amerikanische Kultur und Geschichte, kam auch der Spass nicht zu kurz. Insbesondere dann nicht, als sich unsere wunderbaren Bassisten immer wieder in neue „Konzertoutfits“ warfen. Hier ein Bild der drei Piraten beim Stück „Pirates of the Caribbean“:

Unsere Gäste gaben uns viele positive Rückmeldungen, die Neue Luzerner Zeitung schrieb ebenfalls einen gut klingenden Artikel zu unserem Konzert und das Orchester war erfreut über den Ausgang dieses Konzertabends.

 

 

Nachgefragt!

Bei: Orchestermitglied Anastasios Stafylakis

Auch unsere Orchestermitglieder sollen hier zu Wort kommen und nicht nur von sich und ihrem Leben erzählen, sondern auch von ihrer Sicht auf das Orchester Emmen und in das Orchesterleben. Aus diesem Grund hat die Autorin unserem Orchestermitglied und Cellisten Anastasios ein paar Fragen gestellt:

 

Lieber Anastasios, du bist das Orchestermitglied mit dem interessantesten Namen, kann man deinen Namen auch ins Deutsche übersetzen?

Meines Wissens gibt es kein Pendant im Deutschen. Wörtlich übersetzt bedeutet Anastasios „der Auferstandene“. Die Silbe „Ana“ bedeutet eine Aufwärtsbewegung (Anabasis) und Stasis (im Lt. Status ), ist also der Zustand , der aufwärts bewegt wird. Ergo: Der Auferstandene.

Weniger bedeutungsvoll ist mein Nachname, aber dafür umso lustiger. Stafylia  sind Trauben und akis ist der Diminutiv. Stafylakis bedeutet also „Trübeli“ und ist eigentlich ein Spottname, denn als die Osmanen im 16. Jh. Kreta eroberten, hängten sie allen Griechen diesen Diminutiv an. Dies um den Eroberten klar zu machen, wer die nächsten paar hundert Jahre auf der Insel das Sagen hat.

Du bist also ursprünglich Grieche, was hältst du eigentlich von griechischer Musik? Könnte das Orchester Emmen damit ein Konzert geben?

Das wohl bekannteste Werk klassischer Musik stammt von Skalkotas. Der Komponist studierte im  Berlin der Zwischenkriegszeit, ich glaube unter anderem auch bei Schönberg, und schrieb die „griechischen Tänze“, die eine Orchesterfassung verschiedener griechischen Tänze sind. Für das Orchester Emmen wäre das sicher eine Herausforderung, die griechische Musik nutzt ja gerne andere als die uns bekannten Rhythmen, da diese Musik vor allem gespielt wird, um zu tanzen.

Du hast lange Zeit mit deiner Familie in Griechenland gelebt. Warst du dort auch Mitglied eines Orchesters?

Nein, leider nicht. Orchester sind in Griechenland eher dünn gesät und Laienorchester sowieso. Hinzu kamen die Herausforderungen des Alltags und meine Verpflichtungen, die mich stark beanspruchten.

Warum hast du dich für das Orchester Emmen entschieden?

Ich war auf der Suche und das Orchester Emmen war gerade in der Nähe. Bekanntlich ist ja das „Gute ach so nah“.  Ausschlaggebend war für mich aber der Dirigent des Orchesters. Er gibt ja den Takt an, und sein „Takt“ gefiel mir.

Magst du dich an dein Konzertdebüt mit dem Orchester Emmen erinnern? Was hat dir daran gefallen?

Mein Konzertdebüt war lustig. Ich setzte mich versehentlich beim Einzug der Musiker vor aller Augen an das falsche Cello. Leicht irritiert wendete ich mich an den nachfolgenden Musiker und erklärte ihm auf den leeren Stuhl zeigend, es fehle ein Musiker. Natürlich fehlte niemand. Es war mein Platz, der leer geblieben war, weil ich mich zu früh hingesetzt hatte. Beim zweiten Konzert ging es ähnlich weiter. Aber davon erzähle ich nichts, weil du mich nur nach meinem ersten gefragt hast.

Du spielst Cello. Was hat dich dazu bewogen?

Schuberts C- Dur Quintett, das mit zwei Celli besetzt ist. Ich hörte es als Jugendlicher und als ich mit knapp zwanzig Jahren nach Griechenland ging, hatte ich natürlich kein Geld für ein Cello. In der Verwandtschaft war auch keins aufzutreiben, da Celli in Griechenland eher rar sind. Nur eine Geige fand sich, die ich mir auslieh, um einen Anfang zu machen. Für die Wanderjahre in Griechenland war es ganz gut mit einer Geige unterwegs zu sein. Später dann, als ich etwas sesshafter wurde und ich auch finanziell etwas besser dastand, erfüllte ich mir meinen Traum und besorgte mir ein Cello.

In welchen Momenten könntest du dein Cello trotzdem in die Ecke pfeffern?

Früher täglich, später regelmässig, danach gelegentlich und heute: nie mehr. Mein Cello gehört zu mir. Punkt.

Hast du eine Ahnung was der Grund für die stetige und exponentiell wachsende Anzahl Cellospieler im Orchester Emmen sein könnte?

Cellospieler?!? Zur Zeit bin ich der einzige Mann! Die Cello- Epidemie oder wie es jemand von unserem Register nannte: die „Cello- Schwemme“ hat mich nie beschäftigt. Zumindest bis jetzt nicht.

Unser nächstes Konzert ist das Neujahrskonzert zum Thema „America“! Wie gefällt dir das Programm? Freust du dich auf das Konzert?

Ich freue mich auf jede Probe und auf jedes Konzert. Ergo: Auch auf dieses. In Athen kannte ich jemanden, der mit Bernstein eng befreundet war. Für seine Musik habe ich deshalb eine besondere Schwäche, auch für Copland.

Es gibt immer weniger Menschen, die sich für die klassische Musik eines Orchesters interessieren. Wie würdest du solche „Orchestermuffel“ und „Kulturbanausen“ für unsere Konzerte begeistern?

Neulich erfuhr ich von Kent Naganos Projekt in Montreal und an der Elbphilharmonie in Hamburg. Ich glaube, es ist wegweisend. So auch das Projekt aus Venezuela „el sistema“. Dass sich das Orchester Emmen allein in den letzten beiden Jahren mit dem Ballett und letzten Herbst mit einem Märchenkonzert in der Schule auf neue Pfade gewagt hat, freut mich sehr. Ich denke, man soll Bewährtes pflegen und sich auf Neues einlassen. Die Verantwortlichen des Orchesters leisten gute Arbeit und ich vertraue ihnen und bin ihnen dankbar, für ihr Engagement für das Orchester.