Orchesterleben

Willkommen beim Orchester Emmen! Du willst wissen wie der Orchesteralltag aussieht, was unsere Mitglieder beschäftigt oder an welchen Projekten wir gerade arbeiten? Lies weiter und erfahre Wie wir unser orchester leben. 

 

15.10.2018 – Fernweh und Bewegungsdrang

Heute fand unsere erste Probe nach den Herbstferien statt. Und obwohl wir alle braungebrannt und gut erholt direkt aus unseren Ferien kommen, lässt unsere erste Probe bereits wieder Feriengefühle entstehen. Strand – Sonne – Meer und TANGO! Beim Spielen vermischte sich unser Fernweh mit dem unbändigen Drang aufzustehen und loszutanzen, am liebsten spielend mit der Geige in den Händen oder rund um unser Cello tanzend. Wir möchten noch nicht zu viel verraten aber das Orchester Emmen hat eine Reise gebucht und zwar am 19.1.2019! Und das Beste daran? – jeder Leser kann mitkommen! Die Flugtickets können Ende Dezember auf unserer Website gebucht werden.  Wir freuen uns alle auf die folgenden Proben und auf noch mehr Fernweh, Bewegungsdrang und Musik!

 

19.2.2018 – Vollgas voraus in den Frühling

Zugegeben der eisige Wind, der uns diese Woche arktisches Wetter bringt, lässt noch keine Frühlingsgefühle erwachen. Doch heute fand unsere erste Probe für das Karfreitagskonzert am 30. März 2018 statt und lenkte damit unsere Gedanken in Richtung Frühlingsbeginn. Schon in sechs Wochen werden wir das wunderbare Karfreitagskonzert aufführen, weshalb wir uns heute voller Elan in unsere Noten stürzten.  Unser Programm besteht aus folgenden Werken:

Arvo Pärt (* 1935) Summa für Streichorchester
Arvo Pärt (* 1935) Da Pacem Domine für Chor a Capella
Luigi Cherubini (1760-1842) Requiem Nr. 1 in c-Moll für gemischten Chor und Orchester

An der ersten Probe nahmen wir uns einige Teilstücke aus dem Requiem von Cherubini vor. Obschon noch nicht alle Töne sassen und der Rythmus noch nicht überall perfekt war, lässt das Werk ein wunderschönes und besinnliches Konzert erahnen. Nach getaner Arbeit liessen wir die erste Probe bei guten Gesprächen bei einem kleinen Umtrunk ausklingen. Ein gelungener Start in die neue Probesaison!

 

27.1.2018 – Das Neujahrskonzert – America!

Endlich war es soweit und wir konnten loslegen! Solange hatten wir geprobt und so viele Stunden hatten wir investiert. Mit einem fulminanten Auftakt starteten wir unser Konzert mit „Time Square“ von Leonard Bernstein aus dem Musical „On the Town.“ Der Saal war voll und die Zuhörer und Zuhörerinnen schienen begeistert. Als schliesslich unsere beiden Sängerinnen und unser Sänger zum Zug kamen und bei den Old American Songs, sowie bei den Musicals wie West Side Story und Kiss me Kate brillierten, freuten wir uns umso mehr. Neben ruhigen Liebesliedern und Spaziergängen durch die amerikanische Kultur und Geschichte, kam auch der Spass nicht zu kurz. Insbesondere dann nicht, als sich unsere wunderbaren Bassisten immer wieder in neue „Konzertoutfits“ warfen. Hier ein Bild der drei Piraten beim Stück „Pirates of the Caribbean“:

Unsere Gäste gaben uns viele positive Rückmeldungen, die Neue Luzerner Zeitung schrieb ebenfalls einen gut klingenden Artikel zu unserem Konzert und das Orchester war erfreut über den Ausgang dieses Konzertabends.

 

 

Nachgefragt!

Bei: Orchestermitglied Anastasios Stafylakis

Auch unsere Orchestermitglieder sollen hier zu Wort kommen und nicht nur von sich und ihrem Leben erzählen, sondern auch von ihrer Sicht auf das Orchester Emmen und in das Orchesterleben. Aus diesem Grund hat die Autorin unserem Orchestermitglied und Cellisten Anastasios ein paar Fragen gestellt:

 

Lieber Anastasios, du bist das Orchestermitglied mit dem interessantesten Namen, kann man deinen Namen auch ins Deutsche übersetzen?

Meines Wissens gibt es kein Pendant im Deutschen. Wörtlich übersetzt bedeutet Anastasios „der Auferstandene“. Die Silbe „Ana“ bedeutet eine Aufwärtsbewegung (Anabasis) und Stasis (im Lt. Status ), ist also der Zustand , der aufwärts bewegt wird. Ergo: Der Auferstandene.

Weniger bedeutungsvoll ist mein Nachname, aber dafür umso lustiger. Stafylia  sind Trauben und akis ist der Diminutiv. Stafylakis bedeutet also „Trübeli“ und ist eigentlich ein Spottname, denn als die Osmanen im 16. Jh. Kreta eroberten, hängten sie allen Griechen diesen Diminutiv an. Dies um den Eroberten klar zu machen, wer die nächsten paar hundert Jahre auf der Insel das Sagen hat.

Du bist also ursprünglich Grieche, was hältst du eigentlich von griechischer Musik? Könnte das Orchester Emmen damit ein Konzert geben?

Das wohl bekannteste Werk klassischer Musik stammt von Skalkotas. Der Komponist studierte im  Berlin der Zwischenkriegszeit, ich glaube unter anderem auch bei Schönberg, und schrieb die „griechischen Tänze“, die eine Orchesterfassung verschiedener griechischen Tänze sind. Für das Orchester Emmen wäre das sicher eine Herausforderung, die griechische Musik nutzt ja gerne andere als die uns bekannten Rhythmen, da diese Musik vor allem gespielt wird, um zu tanzen.

Du hast lange Zeit mit deiner Familie in Griechenland gelebt. Warst du dort auch Mitglied eines Orchesters?

Nein, leider nicht. Orchester sind in Griechenland eher dünn gesät und Laienorchester sowieso. Hinzu kamen die Herausforderungen des Alltags und meine Verpflichtungen, die mich stark beanspruchten.

Warum hast du dich für das Orchester Emmen entschieden?

Ich war auf der Suche und das Orchester Emmen war gerade in der Nähe. Bekanntlich ist ja das „Gute ach so nah“.  Ausschlaggebend war für mich aber der Dirigent des Orchesters. Er gibt ja den Takt an, und sein „Takt“ gefiel mir.

Magst du dich an dein Konzertdebüt mit dem Orchester Emmen erinnern? Was hat dir daran gefallen?

Mein Konzertdebüt war lustig. Ich setzte mich versehentlich beim Einzug der Musiker vor aller Augen an das falsche Cello. Leicht irritiert wendete ich mich an den nachfolgenden Musiker und erklärte ihm auf den leeren Stuhl zeigend, es fehle ein Musiker. Natürlich fehlte niemand. Es war mein Platz, der leer geblieben war, weil ich mich zu früh hingesetzt hatte. Beim zweiten Konzert ging es ähnlich weiter. Aber davon erzähle ich nichts, weil du mich nur nach meinem ersten gefragt hast.

Du spielst Cello. Was hat dich dazu bewogen?

Schuberts C- Dur Quintett, das mit zwei Celli besetzt ist. Ich hörte es als Jugendlicher und als ich mit knapp zwanzig Jahren nach Griechenland ging, hatte ich natürlich kein Geld für ein Cello. In der Verwandtschaft war auch keins aufzutreiben, da Celli in Griechenland eher rar sind. Nur eine Geige fand sich, die ich mir auslieh, um einen Anfang zu machen. Für die Wanderjahre in Griechenland war es ganz gut mit einer Geige unterwegs zu sein. Später dann, als ich etwas sesshafter wurde und ich auch finanziell etwas besser dastand, erfüllte ich mir meinen Traum und besorgte mir ein Cello.

In welchen Momenten könntest du dein Cello trotzdem in die Ecke pfeffern?

Früher täglich, später regelmässig, danach gelegentlich und heute: nie mehr. Mein Cello gehört zu mir. Punkt.

Hast du eine Ahnung was der Grund für die stetige und exponentiell wachsende Anzahl Cellospieler im Orchester Emmen sein könnte?

Cellospieler?!? Zur Zeit bin ich der einzige Mann! Die Cello- Epidemie oder wie es jemand von unserem Register nannte: die „Cello- Schwemme“ hat mich nie beschäftigt. Zumindest bis jetzt nicht.

Unser nächstes Konzert ist das Neujahrskonzert zum Thema „America“! Wie gefällt dir das Programm? Freust du dich auf das Konzert?

Ich freue mich auf jede Probe und auf jedes Konzert. Ergo: Auch auf dieses. In Athen kannte ich jemanden, der mit Bernstein eng befreundet war. Für seine Musik habe ich deshalb eine besondere Schwäche, auch für Copland.

Es gibt immer weniger Menschen, die sich für die klassische Musik eines Orchesters interessieren. Wie würdest du solche „Orchestermuffel“ und „Kulturbanausen“ für unsere Konzerte begeistern?

Neulich erfuhr ich von Kent Naganos Projekt in Montreal und an der Elbphilharmonie in Hamburg. Ich glaube, es ist wegweisend. So auch das Projekt aus Venezuela „el sistema“. Dass sich das Orchester Emmen allein in den letzten beiden Jahren mit dem Ballett und letzten Herbst mit einem Märchenkonzert in der Schule auf neue Pfade gewagt hat, freut mich sehr. Ich denke, man soll Bewährtes pflegen und sich auf Neues einlassen. Die Verantwortlichen des Orchesters leisten gute Arbeit und ich vertraue ihnen und bin ihnen dankbar, für ihr Engagement für das Orchester.